Was macht man eigentlich als …?
~Musiklehrerin~

Endlich gibt es den nächsten Beitrag aus der Reihe Berufsfindung für Kinder. Meine Kinder stellen Erwachsenen Fragen zu ihrem Beruf und bekommen tolle Antworten darauf. Das letzte Mal ging es um den Beruf der Radiomoderatorin und Jennifer Schrems stand Rede und Antwort.
Heute geht es um Musik und wie man sein Hobby mit einem Beruf verbinden kann. Deshalb fragte die Mittlere bei Vivien nach, wie sie ihre Liebe zur Musik zum Beruf gemacht hat.

Hallo Vivien,
wir sind eine musikalische Familie. Meine große Schwester spielt Klavier und Trompete, ich habe ein Schlagzeug, spiele Cachon und habe seit eineinhalb Jahren zusammen mit meiner kleinen Schwester Unterricht im afrikanischen Trommeln. Das Christkind hat mir sogar eine Djembé unter den Weihnachtsbaum gestellt und ich übe täglich, um Beats wie den Nyabinghi.


Mich würde es interssieren, mehr über Musiklehrer als Beruf zu erfahren.

Hallo liebe K2,
gerne möchte ich dir deine Fragen beantworten.
Ich heiße Vivien, bin 30 Jahre alt und Mama von zwei Mädchen im Alter von 7 und 2.

Was genau macht man in deinem Beruf als Musiklehrerin? Und wie erlernt man den?

Ich bin Instrumentalpädagogin, das ist ein anderes Wort für Musiklehrerin, allerdings unterrichte ich keine Schulklassen, sondern Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die ein Instrument lernen möchten. Nach meinem Abitur habe ich in der Musikstadt Trossingen im Schwarzwald (Baden Württemberg) Musik studiert. Dafür muss man eine theoretische und praktische Aufnahmeprüfung machen und wer gut genug ist, wird zum Studium zugelassen und ist nach 3-5 Jahren Instrumentallehrer. Inzwischen habe ich zusammen mit meiner Mama und meinem Mann eine eigene Musikschule in Berlin.

Die Musiklehrein Vivien mit einigen Schülerinnen beim Unterricht.
Photocredit: Marco Winiarski

1. Wer hat Dich für Musik begeistert? Wann hast Du mit Musikmachen angefangen?

Ich habe eigentlich erst ziemlich spät mit dem Musikmachen begonnen, denn ich war schon 9 Jahre alt und in der 3. Klasse. Ich habe in einer kleinen Gruppe in der Schule nachmittags gemeinsam mit meinen Freunden Musik gemacht und später im Orchester gespielt. Begeistert haben wir uns gegenseitig, denn wenn man wie in einer kleinen Band mit den Freunden zusammen spielen kann, macht das richtig viel Spaß! Glücklicherweise standen meine Eltern immer hinter mir, haben an mich geglaubt und mir ermöglicht, meinen Traum wahr werden zu lassen.

Welche Instrumente spielst Du und welches ist Dein Lieblingsinstrument?

Nicht lachen! Das Instrument, das ich studiert habe, ist das Akkordeon. Die meisten Leute reagieren mit einem fragenden Gesichtsausdruck, wenn ich das erzähle. „Häh? Es gibt so viele coole Instrumente, warum spielst du ausgerechnet so ein Seemanns-Volksmusik-Schifferklavier?!“

Die Musiklehrerin Vivien mit ihrem Lieblingsinstrument, dem Akkordeon.
Photocredit: Marco Winiarski

Dann kann ich eigentlich nur lächeln und die Leute zu einem Konzert einladen, damit sie mal hören, dass das Akkordeon zu Unrecht diesen Ruf hat. Mit meinen Schülern spiele ich zum Beispiel die wunderschöne Musik aus dem „König der Löwen“, die Piratenklänge aus dem „Fluch der Karibik“ oder auch Pop-Hits aus dem Radio wie „Pokerface“ von Lady Gaga, „Happy“ aus dem Minions-Film oder „All about the bass“. Das Schöne an dem Instrument ist, dass es so vielseitig ist. Mit dem Schlagzeug spielt man Rhythmus, mit der Gitarre (meistens) Harmonien, mit der Flöte Melodien. Auf dem Akkordeon hingegen kann man mit der rechten Hand Melodien auf den Tasten spielen und mit den Bassknöpfen auf der linken Seite begleitet man sich selbst mit Rhythmus und Harmonien. Es ist also eine richtige kleine Band in diesem einen Instrument! Das finden meine Schüler total spannend und wollen es deshalb auch unbedingt lernen! Ich selber spiele außerdem noch Klavier, Keyboard, Mundharmonika und E-Bass, aber meine große Liebe gilt dem Akkordeon.

Bei mir im Trommelunterricht (integrativ) sind auch Kinder dabei, die zum Beispiel nicht lange stillsitzen können. Das ist sicher anstrengend für meine Lehrerin. Wie bringt man Kindern denn Musik bei? So, dass es Spaß macht?

Ja, das kenne ich auch. Ich bin überzeugt, dass das Geheimnis in der Art und Weise liegt, wie der Lehrer unterrichtet und ob er auch mal spontan in seine „Methodik-Trickkiste“ greifen und den Unterrichtsablauf durch musikalische Spiele oder Bewegungsübungen auflockern kann. Kinder merken schnell, ob ein Lehrer Kinder liebt und selber wirklich total begeistert ist von dem, was er macht, oder ob er es einfach nur macht, um Geld zu verdienen. Ein kluger Mensch hat mal gesagt, man kann in anderen nur entzünden, was in einem selbst brennt. Meine Schüler merken in jeder Stunde, dass ich mir keinen schöneren Beruf vorstellen könnte, als Menschen auf ihrem Weg in die Welt der Musik zu begleiten und dann springt fast immer der „Funke“ über und sie lernen ihr Instrument mit Spaß und Begeisterung. Wichtig ist außerdem, dass man nicht alte, angestaubte Lieder oder Übungen mit den Schülern macht, sondern dass man ihnen das beibringt, was sie selber gerne hören und was sie unbedingt spielen können wollen (siehe Frage 3).

VIVAccordia" in Innsbruck bei der Weltmeisterschaft 2016
Das ist mein Jugendorchester „VIVAccordia“ in Innsbruck bei der Weltmeisterschaft 2016
Photocredit: Marco Winiarski

Wie alt sind die Kinder, die Du unterrichtest?

Meine jüngsten Schüler sind 3 und die ältesten 70 Jahre alt. Die ganz Kleinen besuchen die Musikalische Früherziehung im Kindergarten und mit einem Instrument beginnen sie im Alter von 5 oder 6 Jahren. Die meisten Schüler, die ich unterrichte, sind zwischen 7 und 18  Jahren alt und spielen in meinen Schüler- und Jugendorchestern mit.

Wie oft sollte man täglich üben, um ein Musikinstrument richtig gut spielen zu können?

Das kann man so pauschal gar nicht beantworten. Manchen Schülern fällt das Lernen neuer Stücke leichter, anderen schwerer. Aber eine gute Idee ist es auf jeden Fall, alle 2 Tage zu spielen! Es muss auch gar nicht ewig lange sein: 10-15 min, zum Beispiel vor oder nach dem Abendessen oder als „Entspannung“ zwischen den oft vielen Hausaufgaben und das Gehirn ist dankbar für diese tolle Abwechslung. Ist wirklich wahr! Das Geheimnis liegt nicht hauptsächlich im Talent, sondern in der (regelmäßigen) Wiederholung!  Der Spruch hat zwar schon einen Bart, aber stimmt zu 100%: Übung macht den Meister!

Ich bin immer sehr aufgeregt, bevor ich auf die Bühne gehe und vor vielen Leuten spielen soll. Nach den ersten Takten bin ich aber ganz bei mir und der Musik und es macht mir nicht mehr so viel aus von vielen Menschen beobachtet zu werden. Hast Du selbst Lampenfieber vor Auftritten?

Ja, auch ich als Profi habe natürlich noch Lampenfieber! Nicht mehr so wie in meiner Kindheit, aber so ein kleines bisschen kribbelt mein Bauch trotzdem noch vor Konzerten und das ist auch gut so. Ganz ohne Aufregung wäre ja auch langweilig , oder? Um unsere Schüler dahingehend zu stärken, führen wir viele große Konzerte, und kleinere Auftritte durch und nehmen an internationalen Wettbewerben teil. Außerdem gibt es jedes Jahr in unserem Sommermusiklager eine Vereinsmeisterschaft, bei der man alleine auftreten und sich eine Gold-, Silber- oder Bronzemedaille erspielen kann! Es ist nämlich so: je öfter man schon auf einer Bühne vor Publikum gesessen hat, desto ruhiger wird man. Und das ist auch für die Schulzeit nicht ganz unwichtig, denn in den höheren Klassen muss man Vorträge vor der Klasse halten und mündliche Prüfungen absolvieren. Wer da schon von seinem Hobby her Nervenstärke und Souveränität bei Auftritten trainiert hat, der tritt auch in anderen Lebensbereichen überzeugend auf.

Hast Du selbst Kinder und mögen die Musik?

Ja, ich habe zwei Mädchen. Die Kleine singt, tanzt und klatscht begeistert, wenn wir Musik machen oder hören. Die Große geht in die zweite Klasse und hat schon mit 4 Jahren begonnen, ein Instrument zu lernen. Mittlerweile spielt sie selber auch Akkordeon und gehört zu den besten ihrer Altersgruppe. Das macht mich natürlich sehr stolz! Aber ich habe von Anfang an gesagt, dass meine Kinder nicht Akkordeon lernen müssen, wenn sie nicht wollen. Nur, dass sie ein Instrument lernen, war mir wichtig, denn Musizieren macht nicht nur unheimlich viel Spaß, es ist neben sprechen und schreiben auch eine wunderbare Art, sich selbst auszudrücken. Oft erlebe ich, dass Schüler in den Unterricht kommen und nicht gut drauf sind: Streit mit Freunden, schlechte Noten, doofer Tag oder oder. Dann machen wir gemeinsam Musik und wie durch ein Wunder sind die Sorgen und der Ärger wie weggeblasen und sie staunen über ihre gute Laune, die sie nach einer halben Stunde Musikmachen wiedergefunden haben! Kinder, die mit Musik aufwachsen, werden immer Melodien in ihren Herzen haben. Und damit es noch ganz viele solcher Kinder gibt, habe ich diesen, den für mich schönsten Beruf der Welt, gewählt!

Liebe K2, ich finde toll, dass du dich für die verschiedenen Berufe so interessierst! Bewahre dir deine Neugier und denk daran, du kannst alles schaffen, was du willst! Ich bin gespannt, für welchen Beruf DU dich später mal entscheidest! Ganz liebe Grüße aus Berlin auch an deine Mama und deine Geschwister,

Vivien

 

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