Flügel wachsen aus Wurzeln

Unsere Kinder sind meist mutiger als wir selbst. Das verblüfft und erfreut mich gleichermaßen immer wieder aufs Neue.

So erlebt am vergangenen Wochenende: spontanes Pizzaessen nach erledigter Gartenarbeit im Kindergarten. Plötzlich hüpfen No.2 und Lieblingsfreundin aufgeregt um uns Erwachsene rum (immer wieder verwunderlich, aber ich gehöre wohl dieser Kategorie an): „Darf meine Freundin heute bei mir übernachten? Wir wollen das aber!“

Man beachte die Verstärkung um jegliche Zweifel unsererseits auszuräumen.

Beide Eltern waren mehr als überrascht, da sowohl die Freundin als auch No.2 zur schüchternen Sorte der Zwerginnen gehören. Bisher mußte alles mit Vorlauf angekündigt und abgewogen werden. So richtig Mut konnte ich bisher noch nicht entdecken. Nicht, daß ich falsch verstanden werde, so wie sie sind ist das völlig in Ordnung. Ich habe nur den direkten Vergleich zur großen Zwergin, die sich kopfüber in jedes Abenteuer stürzt.

Wir gaben uns geschlagen. Oder waren wir überrumpelt?

Der Freundinnenpapa düste kurz nach Hause um das Nötigste zu holen. Das ist bekanntermaßen bei Mädchen in diesem Alter noch sehr wenig. Hauptsache die 95 Kuscheltiere sind dabei.

Ich selbst hatte Respekt vor der Situation. Premiere.

Erst ein gemeinsames Bad mit vier Elternteilen und vier Kindern -welch ein Luxus-  dann durften alle vier erst noch dem Sandmännchen zusehen, wie es auf seinem Schlitten durch die Traumwelt meiner Kindheit kurvt und dann noch Pippi auf ihrer Schifffahrt ins TakaTuka Land.

Dann das große Astrid Lindgren Weihnachtsbuch gezückt und ein bis ganz viele Geschichten daraus vorgelesen. Liederbuch gezückt und etwa zehn Liedchen geträllert.

No.3, No.1 und No.2 in dieser Reihenfolge zum Schlafen gebracht und dann wieder gelesen, gesungen und ein Stückchen Kuchen verteilt, Stollen gebacken und noch ein bißchen vorgelesen.

Aber das Sandmännchen hatte bei der Lieblingsfreundin zu wenig Sand gestreut und sie konnte einfach nicht einschlafen. Kurz zurück an meine Kindheit gedacht, bin ich imponiert. Für die Lieblingsfreundin schien die Situation völlig entspannt zu sein. Ich hingegen hätte mich niemals so mutig spontan für eine Nacht auswärts entschieden.

Die Eltern hatten viel früher mit dem Rückholanruf gerechnet. Kurz nach Mitternacht haben wir dann alle Kuscheltiere zusammengepackt.

Hätte ich nicht gefragt ob wir mal anrufen sollen, um zu hören ob es Mama und Papa gut geht – wir hätten wahrscheinlich noch einen zweiten oder gar dritten Lindgren Band vorgelesen. Und alleine die Tatsache finde ich toll.

Mutig und stark. Unerwartet!

 

Wir haben uns dann gleich noch mal spontan zum Wippen auf dem Spielplatz getroffen. Und zum Kekseessen und Kakaotrinken. Und um den Zwerginnen dabei zuzusehen, wie ganz ganz langsam aus Wurzeln Flügel wachsen.
Gruß Suse

3 comments On Flügel wachsen aus Wurzeln

Leave a reply:

Your email address will not be published.

Site Footer