Leitlinien für das Familienleben

Kann es sein, daß wir zu viel regeln und maßregeln?
Ich stelle mir immer öfter die Frage, ob ich meine Kinder mit zu vielen Ge- und Verboten nicht schlichtweg überfordere.

Klar gibt es Regeln, an die sich die ganze Gesellschaft halten muß. Aber wie vermittle ich die?
Anette Kast-Zahn, bekannt durch den umstrittenen Ratgeber „Jedes Kind kann schlafen lernen“, hat sich in einem zweiten einfallsreichen Ratgeber, „Jedes Kind kann Regeln lernen“ dazu geäußert, wie wichtig Regeln für Kinder sind.
Bevor der Trubel um die Petition gegen ihren Schlafratgeber losbrach, gab sie in der Süddeutschen Zeitung ein Interview zum Thema Regeln.
Ein Satz darin würde ich sofort unterschreiben: „Man liest viel über Erziehung, aber wenig darüber, dass Eltern klar sein muss, was sie ihren Kindern überhaupt vermitteln wollen.“

Was will ich meinen Kindern mitgeben?

Bevor ich Kinder hatte, wußte ich ziemlich genau, wie ich sie nicht erziehen wollte. Ich wünschte mir eine gleichwertige Beziehung. Den gegenseitigen Wert kennen und schätzen.
Ich wollte meinen Kindern vorleben, wie man sich in der Gesellschaft verhalten muß um ein entspanntes und erfülltes Leben zu führen.
Sprich, sich an Regeln zu halten und auf andere Rücksicht zu nehmen.
Aber auch sich dabei nicht selbst zu verleugnen. Auch mal nicht dazu zu gehören, wenn man anderer Meinung ist. Auch wenn es unbequem ist.
Vor allem wollte ich keine Mutter sein, die alles ohne Begründung verbietet. Die alles, was die Kinder tun, kommentieren und bewerten muß.

So die Theorie. Jetzt habe ich drei Zwerginnen in relativ kurzem Abstand, arbeite zu Hause und bin manchmal einfach mit den Nerven am Ende.
Dann möchte ich nicht diskutieren, ob ein Sommerkleid bei Minusgraden doch noch irgendwie tragbar ist. Oder warum ich die Zwerginnen zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett schicke, auch wenn sie gefühlt noch gar nicht müde sind. Und wenn Hausaufgaben auf sind, werden sie gemacht. Basta.

Doch Erziehung soll nicht Überwachung sein. Schon gar nicht im Sinne des Helicopterparentings.
So viel Freiheit wie möglich, so viel Regeln wie nötig.

Notarzthubschrauber
So viel Regeln wie nötig, so viel Vertrauen wie möglich!

Für solche Fälle ist es gut, wenn man vorher für sich selbst festgelegt hat, was einem im Zusammenleben mit der Familie wichtig ist.
Ich nenne das auch nicht REGEL, sondern bevorzuge den Begriff „Leitlinien“. Das ist für mich weniger starr. Vielmehr bieten sie einen Orientierungsrahmen.

Leitlinien im familiären Zusammenleben

1. Du bist einzigartig und gut so, wie Du bist!
(Auch wenn Du einen Fehler machst haben wir Dich noch lieb!)

2. Alle Menschen sind gleichwertig!
(Egal woher sie stammen, woran sie glauben, wie sie aussehen, welche Meinung sie haben etc.)

3. Die Kinder sind wichtig, aber die Eltern auch.
(wenn ich nicht auf mich selbst achte, habe ich irgendwann keine Kraft mehr den Kindern wertschätzend gegenüber zu treten)

4. Du kannst das!
Ich vertraue auf die Fähigkeiten meiner Kinder
(Ja, auch eine Dreijährige kann schon unter Anleitung mit einem scharfen Messer umgehen.)

5. Meine Freiheit endet dort, wo Deine Freiheit beginnt.
(Dazu gehört auch: „Nein ich will das nicht!“ wird IMMER akzeptiert)

6. Nicht lügen!
(Inklusive niemand wird beschuldigt. Es gilt kein „X war es!“, sondern nur „Ich war es!“ Das ist mutig.)

7. Jeder ist für das Wohlbefinden innerhalb der Familie verantwortlich.
(Die Eltern mehr, die Kinder weniger. Es gilt: So wie Du in den Wald hineinrufst …)

8. Ausreden lassen.
(Jeder hat etwas Wichtiges mitzuteilen)

9. Jeder ist für seine persönlichen Dinge selbst verantwortlich. Besitzverhältnisse werden respektiert.
(soll heißen: Jeder kümmert sich (altersgerecht) darum, daß seine Schuhe nicht im Weg liegen, die Jacke am Haken hängt, der Teller nach dem Essen in die Küche gebracht wird, die Brotbox nicht in der Tasche vergammelt.
Dem Anderen werden keine Dinge ungefragt weggenommen.)

Die neun Punkte sind sicher nicht vollständig. Aber ich denke, das Wichtigste für uns habe ich erfaßt.
Für mich ist wichtig, daß die gegenseitige Wertschätzung immer da ist. Über den Rest kann man immer wieder diskutieren. Und nach wie vor gilt: Kinder lernen von Vorbildern. Ich bemühe mich …

 

Mich würde es brennend interessieren, wie das in anderen Familien ist. Mama notes hat über ihre Tischregeln hier schon berichtet.
Was ist bei Euch zu Hause Gesetz?

Gruß
Suse

3 comments On Leitlinien für das Familienleben

  • Well, dette er jo ikke så enkelt å beskrive.
    Ren generelt kan vi si at vi følge stor sett samme reglene.
    For meg er det viktig at min datter vet at :
    – Vi elsker henne over alt, men at vi liker ikke alt hun gjør
    – Det er helt greit å prøve seg, å utfordre seg, å oppsøke verden. Det er også helt greit å gjøre feil … men ikke når man gjøre noe feil med vilje
    – Det fins mange ting som vi kan prate om og diskutere, og en del som er ren udiskutabel. Det vil si : roe deg ned, slutt å gråte, so ist das Leben, basta. (gjelder også når jeg ikke er trøtt og ikke er blitt utålmodig)
    – Det fins mange verdier som man må lære seg, en av de første er at man må ha respekt for de andre, voskner, og små
    – Det som funker veldig bra : Papa og maman er flinke i å følge/gi samme „Leitlinien“, og den lille viser at hun finne det behagelig
    – Work in progress : vente sin tur for å prate, huske at man kan prate lav, huske at maman ikke er din rydding-maskin !, begynne på nytt å si hei ha det takk vær så god (det var så bra .. 2 måneder siden ! men det er sikkert ikke enkelt å lære seg høfflighetskodene av 3 forskjellige kulturer !), klare å forlate barnehage i mindre enn 15 minuter pga det er ikke særlig morsomt å løpe bak en baby som tuller hele tiden !

    Ja, hun er jo bare 2, og har ingen søsken men men … det går greit så lenge !
    Bare synd at jeg følte det ikke å skrive det på tysk ;)

  • Wunderbarer Beitrag! :-)

    Noch ist die Perle so klein, dass unsere Regeln noch sehr einfach sind. Die werden dann mit der Perle wachsen.

    1. Wir sagen was uns stört
    2. Bücher lesen geht immer.
    3. Küssen auch.
    4. Wir hauen nicht.
    5. „Warte“ heisst nicht „Nein“.

    :-)

    Ich mag den Satz „So viel Regeln wie nötig, so viel Vertrauen wie möglich!“, das versuche ich auch bei der Perle. Ich denke es ist immer ein „Worst-Scenario“-Abwägen. Was ist das schlimmste was passieren könnte? Wäre das wirklich so tragisch? Nicht? Na dann, ab dafür…;-)

  • Liebe Suse,
    diese Basis-Regeln haben wir auch. Es gibt eigentlich diese typischen SIcherheitsregeln bei uns:
    – nicht mit Kabeln/Steckdosen spielen
    – nicht mit Messer, Scheren fuchteln, etc.

    Und dann Dinge, die uns wichtig sind:
    – Ein Beispiel unsere neuen alten Tischregeln,
    – „wir hauen nicht“ (joa, daran arbeiten wir noch),
    – Wohnzimmer nicht verwüsten.

    Was aber die eigentlichen Probleme macht, sind die vielen Neins, die im Laufe des Tages aus organisatorischen oder aufgrund meiner Bedürfnisse so anfallen. Mal ist es ok, wenn Kind2 mit dem elektronischen Spielgerät neben mir spielt, dass quietschige Musik macht (wir haben das geschenkt bekommen), mal macht es mich kirre und er soll damit ins Kizi.
    Mal ziehe ich Kind1 gerne die Klamotten an, obwohl sie es selber kann, man habe ich keine Zeit (oder Lust).

    Da bin ich in der Situation – oder danach – oft unsicher. War das ok? Darf ich so sein?

Leave a reply:

Your email address will not be published.