Nein! Nein! Nein! Schluß damit!

Meine Kinder reden ständig. Und haben viele Fragen. Gerade das große Kind fing an zu Sprechen noch bevor sie es in verständlicher Sprache konnte. Gerne auch nachts im Schlaf. Dann diskutiert sie besonders gerne und aus ihrem Zimmer kommt regelmäßig mitten in der Nacht ein „Aber WARUM denn nicht?“

Wahrscheinlich hat sie vorher im Traum auf eine ihrer zahlreichen Fragen ein NEIN erhalten und möchte das nicht so stehen lassen. In mir haben diese kindlichen Träume die Frage aufgeworfen, wie häufig und zu welchen Gelegenheiten ich dieses negative Wort in der Kommunikation mit meinen Kindern benutze.
Habt Ihr Euch schon mal darüber nachgedacht, wie oft Ihr das Wort NEIN Euren Kindern gegenüber aussprecht?

Wie oft sagen wir NEIN zum Kind?

Ich habe mal genau auf meinen Gebrauch des NEINs geachtet und mir ist aufgefallen, daß der doch recht inflationär ist:

  •  „Mama, darf ich heute (12 Grad Außentemperatur) meinen kurzen Rock und die Sandalen anziehen?“ – NEIN
  • „Mama kannst Du mich heute in den Kindergarten bringen statt dem Papa?“ – NEIN
  • „Mama kann ich nach der Schule gleich mit zu Hannes?“– NEIN
  • „Darf ich am Donnerstag bei Louisa übernachten?“- NEIN
  • „Kann ich (während das Abendessen zubereitet wird) noch einen Schokoriegel Essen?“- NEIN
  • „Darf ich heute (unter der Woche) länger aufbleiben?“ -NEIN
  • „Geht es heute auch mal ohne Zähneputzen?“-NEIN

Das ist nur ein Ausschnitt an Fragen, die ich unter den gegebenen Umständen spontan mit „nein“ beantworten würde. Weil ich in dem Moment überzeugt bin, daß die Antwort so gerechtfertigt ist, ich gerade keine Kraft für eine andere Antwort habe oder gerade keine Zeit habe über die Frage angemessen nachzudenken. Und das ist etwa nicht die NEIN- Ausbeute eines ganzes Tages, so oft sprach ich das Wort früher aus, noch bevor die Kinder in Schule und Kindergarten waren. Aber warum so häufig?

Warum wir nein zum Kind sagen

Wenn wir uns inmitten einer Situation befinden, dann erscheint uns ein NEIN oft als einzige mögliche Lösung. Doch was sind die Beweggründe für das NEIN?

NEIN, um das Kind vor unmittelbarer Gefahr zu bewahren

Das Kleinkind ist auf einen Stuhl geklettert und macht Anstalten sich am Bücherregal hochzuziehen, die Kinderhand kommt in gefährliche Nähe der heiße Herdplatte oder das Kind will ohne zu Schauen über die Straße rennen, von einer viel zu hohen Mauer springen oder läuft Gefahr sich oder andere Personen unwillentlich durch seine Handlungen zu verletzen.

Weil wir gerade keine Kraft haben ein „Ja “ und seine Konsequenzen auszuhalten

Manchmal fehlen einfach die Nerven das Kind loszulassen und dann verbietet man schnell etwas. Sei es den Weg an der großen Straße entlang zum Freund mit dem Rad fahren zu lassen, oder der Besuch im Schwimmbad ohne Eltern. Mit steigendem Alter werden auch die Bedürfnisse und Forderungen der Kinder komplexer.

Weil wir noch keine Meinung zum Thema haben und lieber NEIN sagen, als ein JA später zu bereuen.

Mir persönlich geht es oft so, daß meine Kinder Fragen an mich richten, wenn ich gerade geistig woanders bin. Sei es im Homeoffice arbeite, oder mit anderen Dingen beschäftigt bin, die meiner vollen Konzentration bedürfen. Dann antwortete ich gerne mal mit NEIN auf jegliche Frage. Ohne Zeit und Muße über die Bitten und Wünsche nachzudenken erschien ein NEIN besser, als ein JA, daß ich hinterher vielleicht bereute.

Was macht ein NEIN mit uns?

Ein Nein ist wie eine Mauer zwischen dem „Bittsteller“ und dem, der die Macht hat dieses Wort auszusprechen.
Und ständige Verbote vergiften das Familienklima. Das Kind fühlt sich hilflos und abhängig und was mindestens genauso schlimm ist: es wird resistent gegen dieses Wort. Im schlimmsten Fall reagiert es auf ein Verbot durch ein NEIN gar nicht mehr, weil es seine Wirkung verloren hat.
Wir Eltern fühlen uns als ständige Nörgler und Spaßbremsen.
Für niemanden ist die Situation schön.
Doch wie kommt man aus diesem negativen Kreislauf raus?

Gibt es Alternativen zum NEIN Sagen?

Die Zauberworte heißen Kommunikation auf Augenhöhe und Vertrauen.

Kinder wollen nicht absichtlich frech sein oder das mißachten, was die Eltern sagen. Aber Kinder wollen Neues lernen und die Welt entdecken. In ihrem Tempo. Und das ist oft schneller als unser eigenes.

Für mich heißt das: wenn Gefahr droht, dann gibt es nur eine Reaktion: NEIN. Bei allen anderen Dingen hinterfrage ich meinen Impuls NEIN zu sagen: ist dieses NEIN wirklich notwendig?

Gerade bei der großen Tochter, die ein NEIN nur schwer akzeptieren kann befolge ich den Tipp, den ich vor einigen Jahren von Béa Beste*  bekam: Laß Dich überzeugen! Wenn sie genug Argumente liefern kann, die für ihr Vorhaben sprechen und ich kaum oder wenig dagegen halten kann, dann bekommt sie die Erlaubnis. Meistens ist es dann so, daß sie dadurch selbst merkt, wenn ein Vorhaben nicht ausreichend durchdacht war.

Zugegeben, diese Methode ist hart und manchmal ultra anstrengend. Aber diese Art der Verhandlung verbessert definitiv das Verhältnis zum Kind. Denn das Kind gewinnt den Eindruck, daß Entscheidungen nicht willkürlich getroffen werden und fühlt sich ernst genommen.

Deshalb mein Tipp:

Wie geht es Euch mit dem NEINsagen? Nervt Euch das auch?

 

 

*in vielen Punkten ist sie mein Erziehungsvorbild, denn sie hat eines geschafft: sie hat mit ihrer erwachsenen Tochter eine wunderbare Mutter-Kind Beziehung. Das ist mein Erziehungsziel!

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